Das Bienenjahr läuft nicht mit einem
Kalenderjahr gleich.
Allgemein gilt die Schlussernte (Trachtende, bei uns ca. Ende Juli), das
Abräumen als Ende – die Auffütterungsperiode als Beginn des Bienenjahres.
Die Rückentwicklung vom Sommer zum Wintervolk ist von verschiedenen Einflüssen
abhängig. Umweltbedingungen und Erbgut bestimmen im wesentlichen die Entstehung
von langlebigen Winterbienen. Im August und September werden die Bienen
mit der Aufzucht der Winterbienen beschäftigt sein. Durch die Legeleistung
der Königin wird für eine große Anzahl an langlebigen Winterbienen gesorgt,
die nur wenig Stockarbeiten verrichten müssen, bevor das Volk in die Winterruhe
geht. Durch das Auftreten der Varroamilbe ist es für die erfolgreiche
Überwinterung von besonderer Bedeutung, dass sofort nach Ende der Honigernte
die Völker entmilbt werden. Gleichzeitig wird mit der Auffütterung (nach
Einrichtung des Wintersitzes – Überwinterung auf 1 oder 2 Zargen) begonnen.
Die Völker sollen nach der Auffütterung über
ca. 15kg (1-zargig) bzw. 22kg (2-zargig) Winterfutter verfügen.
Bis Mitte September soll die Auffütterung abgeschlossen sein. Damit kein
Volk mit zu wenig Winterfutter (eventuelle Räuberei) einwintert, ist eine
Futterkontrolle durchzuführen. Nach der Auffütterung ist die Bienenarbeit
so gut wie abgeschlossen. Nach dem Einstellen der Legetätigkeit der Königin
gegen Ende September und dem Schlüpfen der letzten Brut im Oktober ziehen
sich die Bienen mit abnehmender Temperatur immer mehr zu einer Wintertraube
zusammen. Die unwirtliche Winterzeit wird in einer Ruhephase überdauert.
Eine zweite Varroabehandlung kann im November/Dezember bei Außentemperaturen
um ca.5°C durchgeführt werden. Die Temperatur in der Wintertraube wird
im Kern bei ca. 25°C gehalten und sinkt im Randbereich auf ca. 8-10°C
ab. Bei fallender Außentemperatur wird die Wintertraubentemperatur durch
Zusammenziehen der Bienentraube und Erhöhung der Bienenaktivität im Traubenkern
reguliert.
Bei Außentemperaturen um die 10°C, meistens einige Tage im Jänner, können
die Bienen ihre Kotblase entleeren (Reinigungsflüge). Bei einem langen,
kalten Winter verschiebt sich dieser Termin entsprechend Richtung Ende
Februar oder Anfang März.
Normaler Weise endet die Winterruhe Mitte Februar. Es beginnt ein neuer
Abschnitt im Leben des Bienenvolkes. An den ersten wärmeren Tagen beginnt
die Königin mit der Eiablage. Anfangs noch gering, doch steigert sie sich
täglich bis zur Höchstentwicklung gegen Ende Mai, wo sie pro Tag mehr
als 2000 Eier ablegt. Das Brutnest weitet sich aus, der Sammeleifer der
Arbeitsbienen beginnt und neue Waben entstehen. Aus einer Wintertraube
von ca.15.000 Bienen hat sich bis Ende Mai ein starkes Bienenvolk entwickelt,
welches ca. 40.000 bis 50.000 Individuen zählt.
Die Brutentwicklung ist wesentlich von der ausreichenden Pollenversorgung
und den Futterreserven abhängig. Eine erste Pollenversorgung von der Weide
Ende Februar/Anfang März ist für die Bienen besonders wichtig. Durch die
rege Legetätigkeit der Königin und den Schlupf vieler Jungbienen steigt
die Bienenpopulation stark an. Im Gegenzug wird die Anzahl der Winterbienen
immer geringer, bis schließlich Ende Mai keine mehr vorhanden sind. Die
rasche Zunahme der Bienenpopulation zwingt zur Erweiterung (mehr Raum
und Waben). Wenn das Volk den Raum ausreichend besetzt und in den hohen
Boden durchhängt muss erweitert werden. Die Erweiterungszarge wird mit
4-6 Leerwaben und 4-5 Mittelwänden ausgestattet und ohne Umhängen von
Brutwaben oben aufgesetzt. Je nach Trachtverlauf kann es notwendig werden,
eine weitere Zarge aufzusetzen. Da im Juni die Bautätigkeit bereits nachlässt,
wird es notwendig sein, mehr ausgebaute Waben in die Erweiterungszarge
aufzunehmen.
Im Mai ist mit Schwärmen zu rechnen und daher eine Volksdurchsicht auf
Schwarmstimmung durchzuführen. Die Ursachen für eine aufkommende Schwarmstimmung
sind:
Raumverhältnis zu knapp bemessen
- Erweiterung notwendig.
Futtersaftstau/Volksstärke - zu
viel verdeckelte Brut und zu wenig offene. Korrektur: Schröpfen, Zargenwechsel,
Raumgabe.
Die Schwarmstimmung wird auch durch eine alte Königin (Pheromonausscheidung
der Königin lässt nach) und durch Wetter, Trachtlosigkeit in der Aufwärtsentwicklung
sowie Standort beeinflusst. Zur Schwarmverhinderung wird die Zwischenablegerbildung
mit Rückvereinigung empfohlen (keine Schwächung des Volkes).
Die Frühtracht ist die erste Honigernte des Jahres. Sie ist jedoch nur
mit starken Völkern zu erreichen. Für schwächere Völker ist sie eine Aufbautracht.
Die Obstblüte, der Raps und Löwenzahn sowie in manchen Gegenden der Bergahorn
sorgen für den ersten Honig im Jahr.
Die Robinie und der auslaufende Raps können sich noch überschneiden und
als Frühsommertracht an die Frühtracht anschließen. Ab Anfang Juni kommt
noch die Linde und der Wald als wichtigster Honigtaulieferant hinzu. Seit
einigen Jahren wird verstärkt Sonnenblume zur Ölgewinnung angebaut. In
manchen Gegenden der Südsteiermark kann auch noch köstlicher Kastanienhonig
geerntet werden.
In den meisten Jahren endet die Tracht gegen Ende Juli/Anfang August (Ende
der Wald -und Sonnenblumentracht). Die Goldrute, das Riesenspringkraut
und die Herbstaster bringen für den Aufbau gesunder Winterbienenvölker
noch etwas Nektar und Pollen.
Im Juli lässt die Legetätigkeit der Königin merklich nach. Die Drohnen,
als nicht mehr notwendige Stockinsassen für die Überwinterung, werden
vom Futter abgedrängt, beim Flugloch hinausbefördert und nicht mehr eingelassen
(Drohnenschlacht/Drohnen verhungern). Die so genannte Drohnenschlacht
beendet das Bienenjahr und kennzeichnet gleichzeitig die gute Verfassung
der Völker für die Wintervorbereitung.
Verfasser: Wilhelm Krbez,
im Mai 2002